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Updated:
25.02.2013

Impressum

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Einführung: Wie Übungen bewertet werden

[Verfasst von ÖFT-Kampfrichterobmann DI Josef Toth] .
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Die aktuellen Wertungsvorschriften im Kunstturnen sind seit Jänner 2013 gültig sind und setzen den 2006 begonnenen Neugestaötungsweg nahtlos fort: Die ehemalige "Traumnote 10" ("magic 10") als Absolutmaß der Turndinge ist Vergangenheit. Kürnoten sind nach oben offen und Rekorde möglich, wenn auch nicht angestrebt. Der Ausführungsqualität wird im Verhältnis zur Schwierigkeit deutlich mehr Bedeutung zuerkannt, als in früheren Jahren.

Die 2006 auf den Weg gebrachten Wertungsvorschriften haben sich in ihren wesentlichen Eckpfeilern mehr als bewährt. Die Differenzierung der besten Übungen wurde wesentlich erleichtert ohne gleichzeitig die Risikobereitschaft ins Uferlose zu treiben.

Die Endnote setzt sich generell aus den Faktoren "Übungsinhaltswert" (D-Note, vom englischen "difficulty") und "Übungsausführung" (E-Note, vom Englischen "execution") zusammen. Die Summe aus diesen beiden Teilen ergibt die Endnote.

Das Bemerkenswerte ist, dass der Faktor der Übungsausführung gegenüber dem Inhaltswert extrem hoch in die Wertung eingeht. Dies rührt daher, dass Ausführungsfehler von der theoretischen Höchstmarke 10,00 abgezogen werden. Die "magische 10"  scheint also zumindest in der Ausführung einer Übung noch auf. Der Übungsinhaltswert errechnet sich hingegen aus der Summe der neun schwersten Elemente einer Übung plus dem Wert des Abganges.

Die Einstufung der Elemente erfolgt in sieben Stufen mit der Bezeichnung A bis G. Jedem Teil ist ein bestimmter Wert zugeordnet. Ein A-Teil erhält den Wert 0.1 Punkte, ein B-Teil 0.2 Punkte, ein C-Teil 0.3 Punkte, ein D-Teil 0.4 Punkte, ein E-Teil 0.5 Punkte ein F-Teil 0.6 Punkte und ein G-Teil 0,7 Punkte.

Zu diesen zehn Elementen einer Übung, die in Betracht gezogen werden, kommen noch Elementgruppenanforderungen. Wie schon im vergangenen Code de Pointage gibt es auch jetzt wieder an jedem Gerät fünf Elementgruppen (am Boden nur vier, da der Abgang nicht als solcher bezeichnet wird), die eine vielfältige Gestaltung einer Übung erzwingen sollen.

Für jede gezeigte Elementgruppe innerhalb der neun schwersten Elemente werden 0,5 Pkt. zu den Elementwerten addiert. Es ist keine Mindestanforderung an die Schwierigkeit gestellt. Auch mit einer leichteren Übung ist man in der Lage, durch eine abwechslungs reiche Gestaltung für vier Elementgruppen den Übungsinhaltwert um 2,0 Pkt. zu erhöhen. Eine Sonderregelung gibt es für die Elementgruppe V (Abgang). Hier erhält der Turner je nach Schwierigkeit unterschiedliche Zuschläge. Für Abgänge der Schwierigkeit A oder B gibt es keinen Zuschlag, für einen C-Abgang +0,3 Pkt. und für einen D-Abgang +0,5 Pkt. Zuschlag.

Als "besondere Raffinesse" darf eine Übung nur maximal vier Elemente einer Elementgruppe enthalten. Sollten 5 Elemente einer Gruppe unter den neun schwersten Wertteilen einer Übung sein, wird das leichteste nicht anerkannt.

Als letzte Möglichkeit, den Übungsinhaltswert zu erhöhen, gibt es Verbindungsbonus für die direkte Verbindung ausreichend schwieriger Elemente, allerdings nur an den Geräten Boden (direkte Verbindung von zwei beidbeinig abgesprungenen Salti) und Reck (im Wesentlichen direkte Verbindung von Flugelementen).

Die zuletzt anlässlich der olympischen Spiele in London gezeigten Übungen erzielen einen Übungsinhaltwert von durchschnittlich 5,5 Punkten. Man sieht daher das starke Übergewicht der Ausführung zugunsten des Inhaltes.

Um diesen Trend noch zu verstärken, sind auch die Abzüge für Verstöße gegen technische, haltungmäßige und kompositorische Anforderungen sehr strikt. Der "kleine" Fehler mit einem Abzug von 0,1 Pkt., der "mittlere" Fehler wird mit 0,3 Pkt. bestraft und der "schwere" Fehler zieht einen Abzug von 0,5 Pkt. nach sich. Ein Sturz mit 1,0 Pkt. Bestrafung (= äquivalenter Wert von 2 lupenreinen E-Teilen) wird nun überhaupt zur mittleren Katastrophe.

Eine schwerwiegende Änderung wurde diesmal am Gerät Sprung vorgenommen. Nachdem die Sprungnoten in einem Mehrkampf (oder Mannschaftswettbewerb) überdurchschnittlich hoch waren und so für das Publikum ein Verfolgen des Wettkampfes (noch) schwerer wurde (hat jemand im Zwischenresultat "Sprung" schon drinnen, oder nicht?), hat man die D-Noten aller Sprünge rigoros um einen Punkt gekürzt.

Eine weitere Änderung betrifft die Berechnung der von den Spezialisten geforderten 2 unterschiedlichen Sprünge um ein Gerätefinale am Sprung zu erreichen (oder dort zu bestehen).

War früher der simple Mittelwert der beiden gezeigten Sprünge die Endnote, bildet sich diese nun aus dem Mittelwert der beiden D-Noten. Die Summe aller Abzüge beider Sprünge gemeinsam stellen die E-Note dar. Das heißt ein Fehler geht nicht mehr durch das arithmetische Mittel geteilt in die Note ein, sonder quasi 1:1.

Der Grundtenor, "man darf im Wettkampf nur Elemente turnen, die man mit hoher Sicherheit und ausgezeichneter Ausführung beherrscht" zieht sich mehr denn je durch die gesamte Wertungsvorschrift.

 Beispiel einer Männerübung:

 Elemente:

A

A

D

D

C

F

A

A

B

D

B

D

 

 

 Wert:

1

1

4

4

3

6

 

 

2

4

2

4

=

3.1 Pkt.

 Gruppen:

II

II

III

I

IV

I

 

 

II

III

I

V

 

 

 Wert:

5

 

5

5

5

 

 

 

 

 

 

5

=

2.5 Pkt.

                                                           Übungsinhaltswert=D-Note

=

5.6 Pkt.

Übungsausführung=E-Note: 10.00 -1.80

=

8.2 Pkt.

Endnote: 5.6 + 8.2

=

13.8 Pkt.

Als echte Neuerung gibt es nun ein eigenes Regelwerk für Juniorenwettkämpfe. Diese erleichterten Anforderungen sind eine Antwort der FIG auf eine Forderung des IOC. Für Junioren (Limit 17 Jahre) werden nur die acht schwersten Elemente (sieben + Abgang) für die Berechnung des Übungsinhaltswertes herangezogen. Zusätzlich gibt es bereits für einen Abgang der Schwierigkeit C eine Bonifikation von +0,5 Pkt. und für einen B-Teil-Abgang noch +0,3 Pkt.

Darüber hinaus sind für Junioren eine Reihe von Elementen als zu gefährlich beurteilt und somit verboten worden, z.B. Saltos zum Abrollen am Boden oder Doppelsalto rw. zum Hang an den Ringen. 

 Beispiel einer Juniorenübung:

 Elemente:

A

A

D

B

C

C

A

A

B

D

B

C

 

 

 Wert:

 

 

4

2

3

3

 

 

2

4

2

3

=

2,3 Pkt.

 Gruppen:

 

 

III

I

IV

I

 

 

II

III

I

V

 

 

 Wert:

 

 

5

5

5

 

 

 

 

 

5

=

2.5 Pkt.

                                                           Übungsinhaltswert=D-Note

=

4,8 Pkt.

                                        Übungsausführung=E-Note: 10.00 -1.80

=

8.2 Pkt.

Endnote: 5.6 + 8.2

=

13.0 Pkt.

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