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Die aktuellen Wertungsvorschriften im Kunstturnen sind seit
Jänner 2013 gültig sind und setzen den 2006 begonnenen Neugestaötungsweg
nahtlos fort: Die ehemalige "Traumnote 10" ("magic 10") als Absolutmaß
der Turndinge ist Vergangenheit. Kürnoten sind nach oben offen und
Rekorde möglich, wenn auch nicht angestrebt.
Der Ausführungsqualität wird im Verhältnis zur Schwierigkeit deutlich
mehr Bedeutung zuerkannt, als in früheren Jahren.
Die 2006 auf den Weg gebrachten Wertungsvorschriften haben sich
in ihren wesentlichen Eckpfeilern mehr als bewährt. Die Differenzierung
der besten Übungen wurde wesentlich erleichtert ohne gleichzeitig die
Risikobereitschaft ins Uferlose zu treiben.
Die Endnote setzt sich generell aus den Faktoren
"Übungsinhaltswert" (D-Note, vom englischen "difficulty")
und "Übungsausführung" (E-Note, vom Englischen "execution") zusammen.
Die Summe aus diesen beiden Teilen ergibt die Endnote.
Das Bemerkenswerte ist,
dass der Faktor der Übungsausführung gegenüber dem Inhaltswert
extrem hoch in die Wertung eingeht.
Dies rührt daher, dass Ausführungsfehler von der theoretischen
Höchstmarke 10,00 abgezogen werden. Die "magische 10" scheint also
zumindest in der Ausführung einer Übung noch auf. Der Übungsinhaltswert
errechnet sich hingegen aus der Summe der neun schwersten Elemente einer
Übung plus dem Wert des Abganges.
Die Einstufung der Elemente erfolgt in sieben Stufen mit der
Bezeichnung A bis G. Jedem Teil ist ein bestimmter Wert zugeordnet. Ein
A-Teil erhält den Wert 0.1 Punkte, ein B-Teil 0.2 Punkte, ein C-Teil 0.3
Punkte, ein D-Teil 0.4 Punkte, ein E-Teil 0.5 Punkte ein F-Teil 0.6
Punkte und ein G-Teil 0,7 Punkte.
Zu diesen zehn Elementen einer Übung, die in Betracht gezogen
werden, kommen noch Elementgruppenanforderungen. Wie schon im
vergangenen Code de Pointage gibt es auch jetzt wieder an jedem
Gerät fünf Elementgruppen (am Boden nur vier, da der Abgang nicht als
solcher bezeichnet wird), die eine vielfältige Gestaltung einer Übung
erzwingen sollen.
Für jede gezeigte Elementgruppe innerhalb der neun schwersten
Elemente werden 0,5 Pkt. zu den Elementwerten addiert. Es ist keine
Mindestanforderung an die Schwierigkeit gestellt. Auch mit einer
leichteren Übung ist man in der Lage, durch eine abwechslungs reiche
Gestaltung für vier Elementgruppen den Übungsinhaltwert um 2,0 Pkt. zu
erhöhen. Eine Sonderregelung gibt es für die Elementgruppe V (Abgang).
Hier erhält der Turner je nach Schwierigkeit unterschiedliche Zuschläge.
Für Abgänge der Schwierigkeit A oder B gibt es keinen Zuschlag, für
einen C-Abgang +0,3 Pkt. und für einen D-Abgang +0,5 Pkt. Zuschlag.
Als "besondere Raffinesse" darf eine Übung nur maximal vier
Elemente einer Elementgruppe enthalten. Sollten 5 Elemente einer Gruppe
unter den neun schwersten Wertteilen einer Übung sein, wird das
leichteste nicht anerkannt.
Als letzte Möglichkeit, den Übungsinhaltswert zu erhöhen, gibt es
Verbindungsbonus für die direkte Verbindung ausreichend schwieriger
Elemente, allerdings nur an den Geräten Boden (direkte Verbindung von
zwei beidbeinig abgesprungenen Salti) und Reck (im Wesentlichen direkte
Verbindung von Flugelementen).
Die zuletzt anlässlich der olympischen Spiele in London gezeigten
Übungen erzielen einen Übungsinhaltwert von durchschnittlich 5,5
Punkten. Man sieht daher das starke Übergewicht der Ausführung zugunsten
des Inhaltes.
Um diesen Trend noch zu verstärken, sind auch die Abzüge für
Verstöße gegen technische, haltungmäßige und kompositorische
Anforderungen sehr strikt. Der "kleine" Fehler mit einem Abzug von 0,1
Pkt., der "mittlere" Fehler wird mit 0,3 Pkt. bestraft und der "schwere"
Fehler zieht einen Abzug von 0,5 Pkt. nach sich. Ein Sturz mit 1,0 Pkt.
Bestrafung (= äquivalenter Wert von 2 lupenreinen E-Teilen) wird nun
überhaupt zur mittleren Katastrophe.
Eine schwerwiegende Änderung wurde diesmal am Gerät Sprung
vorgenommen. Nachdem die Sprungnoten in einem Mehrkampf (oder
Mannschaftswettbewerb) überdurchschnittlich hoch waren und so für das
Publikum ein Verfolgen des Wettkampfes (noch) schwerer wurde (hat jemand
im Zwischenresultat "Sprung" schon drinnen, oder nicht?), hat man die
D-Noten aller Sprünge rigoros um einen Punkt gekürzt.
Eine weitere Änderung betrifft die Berechnung der von den
Spezialisten geforderten 2 unterschiedlichen Sprünge um ein Gerätefinale
am Sprung zu erreichen (oder dort zu bestehen).
War früher der simple Mittelwert der beiden gezeigten Sprünge die
Endnote, bildet sich diese nun aus dem Mittelwert der beiden D-Noten.
Die Summe aller Abzüge beider Sprünge gemeinsam stellen die E-Note dar.
Das heißt ein Fehler geht nicht mehr durch das arithmetische Mittel
geteilt in die Note ein, sonder quasi 1:1.
Der Grundtenor, "man darf im Wettkampf nur Elemente turnen, die
man mit hoher Sicherheit und ausgezeichneter Ausführung beherrscht"
zieht sich mehr denn je durch die gesamte Wertungsvorschrift.
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Beispiel einer Männerübung: |
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Elemente: |
A |
A |
D |
D |
C |
F |
A |
A |
B |
D |
B |
D |
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Wert: |
1 |
1 |
4 |
4 |
3 |
6 |
|
|
2 |
4 |
2 |
4 |
= |
3.1 Pkt. |
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Gruppen: |
II |
II |
III |
I |
IV |
I |
|
|
II |
III |
I |
V |
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|
Wert: |
5 |
|
5 |
5 |
5 |
|
|
|
|
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|
5 |
= |
2.5 Pkt. |
|
Übungsinhaltswert=D-Note |
= |
5.6 Pkt. |
|
Übungsausführung=E-Note:
10.00
-1.80 |
= |
8.2 Pkt. |
|
Endnote:
5.6 + 8.2 |
= |
13.8 Pkt. |
Als echte Neuerung gibt es
nun ein eigenes Regelwerk für Juniorenwettkämpfe.
Diese erleichterten Anforderungen sind eine Antwort der FIG auf eine
Forderung des IOC. Für Junioren (Limit 17 Jahre) werden nur die acht
schwersten Elemente (sieben + Abgang) für die Berechnung des
Übungsinhaltswertes herangezogen. Zusätzlich gibt es bereits für einen
Abgang der Schwierigkeit C eine Bonifikation von +0,5 Pkt. und für einen
B-Teil-Abgang noch +0,3 Pkt.
Darüber hinaus sind für Junioren eine Reihe von Elementen als zu
gefährlich beurteilt und somit verboten worden, z.B. Saltos zum Abrollen
am Boden oder Doppelsalto rw. zum Hang an den Ringen.
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Beispiel einer Juniorenübung: |
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Elemente: |
A |
A |
D |
B |
C |
C |
A |
A |
B |
D |
B |
C |
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Wert: |
|
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4 |
2 |
3 |
3 |
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|
2 |
4 |
2 |
3 |
= |
2,3 Pkt. |
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Gruppen: |
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III |
I |
IV |
I |
|
|
II |
III |
I |
V |
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Wert: |
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5 |
5 |
5 |
|
|
|
5 |
|
|
5 |
= |
2.5 Pkt. |
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Übungsinhaltswert=D-Note |
= |
4,8 Pkt. |
|
Übungsausführung=E-Note:
10.00 -1.80 |
= |
8.2 Pkt. |
|
Endnote:
5.6 + 8.2 |
= |
13.0 Pkt. |
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